So, ihr Lieben…Wir haben den 11. Dezember und stecken mitten in der Weihnachtszeit. Eigentlich das Fest der Liebe und schon vorher die Zeit der Freundlichkeit und ja, auch der Achtsamkeit. Der gegenseitigen Rücksichtnahme, der netten Worte und der kleinen Geschenke für Lehrer, Ärzte, Müllmänner, Freunde und vielleicht sogar Verwandte…aber dieses Jahr?
Dieses Jahr spüre ich einfach nur schlechte Laune, wird gemeckert, kritisiert und gemotzt. In meinem kleinen Café, wo ich zwei- bis dreimal in der Woche arbeite, gibt es KEIN Trinkgeld, egal wie nett man ist und ich werde angemault, obwohl ich versuche nett zu sein. Ich bin der Blitzableiter der Nation. Ich schiebe es tatsächlich auf die Politik und die gesamtgesellschaftliche Lage, die erhöhten Kosten, die hohen Preise und das fehlende Geld im Privathaushalt. Aber muss man das an mir auslassen?
Letztens hat doch glatt so eine scheinbar nette Dame 9,50 Euro bezahlt und sich die 50 Cent wieder rausgeben lassen. Sie hatte hochwertigen Biokaffee und selbgebackenen Kuchen genossen, ein nettes Gespräch mit mir geführt und? NICHTS! Rundet man nicht wenigstens auf?
So geht das schon die ganze Zeit und weißt du was? Ich habe beschlossen, auch nicht mehr nett zu sein. Dann sind wir halt alle motzig und blöd und können Weihnachten direkt abschaffen. Ist eh zu teuer, zu stressig, zu viel. Alles nur Heuchlerei, auf die ich keine Lust habe. Ich kann ja auch nichts dafür, dass die deutsche Wirtschaft den Bach runtergeht. Aber ich habe auch das Gefühl, dass wir Deutschen uns besonders wohl in der meckernden Opferrolle fühlen.
Das war in Dallas anders. Dallas? Ja, da hab ich mal gelebt. Sogar sehr gerne. Die Sonne scheint und die Leute sind freundlich. Sie sind freundlich von ganzem Herzen. Sie geben 20 Prozent (!) Trinkgeld, weil sie wissen, dass man in der Gastro nichts verdient. Das wissen auch unsere Café-Gäste, aber die schleichen sich davon und haben kein schlechtes Gewissen, immer wieder zu kommen und trotzdem nichts zu zahlen. Gut…nicht alle, aber es werden von Jahr zu Jahr mehr. Also bitte mach das nicht auch so…bitte sei nett und bleib dankbar. Wenn du schon Geld für’s Kaffeetrinken ausgibst, dann rechnest du das Trinkgeld doch ein, oder?!
Stöhn. Seufz. Das ist ja nur, was ich im Café erlebe. Wenn ich nach Hause komme und mich mit meinen drei Kindern an den Tisch setze, geht es weiter: die Lehrer meckern und nörgeln statt zu ermutigen und den armen Pubertieren zuzuhören. Die Eltern in den WhatsApp-Gruppen schreiben Beschwerdebriefe an die Schulleitung, die vor Weihnachten sicherlich nicht noch mehr Unmut braucht. Ich kann das alles gut verstehen, aber sollten wir nicht mal aufhören, den anderen noch mehr abzufordern und die Schuld durch die Gegend zu schieben?
Überall lese und höre ich, dass ich auf meine Grenzen achten soll: Selbstfürsorge und Selbstliebe sind ja schon fast die Wörter des Jahres. Aber vielleicht beinhaltet das zu viel „Selbst“? Werden wir egozentrisch und vergessen, dass wir zusammen auf diesem Planeten leben? Wir können uns ja nicht wegbeamen und müssen miteinander klarkommen. Kennst du noch Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise? Das hab ich mit meinem Bruder gesehen, als der Fernseher noch per Knopfdruck bedient werden musste und die Schlümpfe in Schwarz-weiß liefen. Jetzt weißt du, welche Generation ich bin und warum mir nicht egal ist, wie wir miteinander umgehen.
Ein ganz anderes Beispiel kommt aus meinem Job als Mamataxi. Jeden Donnerstag darf ich dank der Fusion (Fusionierung?!) unserer zwei Dorfvereine, eine halbe Stunde im Berufsverkehr an die Elbe pendeln. Wenn ich die fünf Kids hinbringe, ist es noch hell und die Jungs der Fussball-U16 riechen nach Deo. Wenn ich die Ehre habe, sie vom Training abholen zu dürfen, lausche ich den Geschichten, die ich lieber nicht hören würde, während sich ein etwas unangenehmer Geruch von Schweiß im Auto ausbreitet.
Ich höre zu und denke, dass ich auch wieder 15 Jahre alt sein will, die Schlümpfe in schwarz-weiß gucken und Musik auf Kassetten aufnehmen. Ich dachte damals, dass mein Leben anstrengend sei, aber weit gefehlt! Ich hatte ein wunderbares Leben! Niemand hat seine schlechte Laune unter dem Tarnmantel der Achtsamkeit und Selbstliebe an mir ausgelassen.
Wenn ich jetzt mit 51 Jahren nur mal am Rande des Fußballtrainings den Sinn solcher Fusionen in Frage stelle, bekomme ich einen ganzen Shitstorm. Was ich mir rausnehmen würde…ich soll doch einfach nur froh sein, dass die U16 noch existiert! Die Jungs hätten sonst kein Fußball mehr spielen können! Wenn ich mit Berufsverkehr und-im-Dunkeln-fahren ein Problem habe, dann soll ich mein Kind doch in eine Fahrgemeinschaft geben.
WhatsApp brüllt mich förmlich an und die Achtsamkeit in der Weihnachtszeit scheint auf einem anderen Stern stattzufinden. Ich versuche, mich in neutraler Gelassenheit zu üben und antwortenicht sonderlich achtsam: „Ich bin die Fahrgemeinschaft. Und zwar für fünf Jungs.“
Das hat man dann davon, wenn man vor zig Jahren beschlossen hat, drei Kinder zu bekommen. Ein Auto mit sieben Sitzen war nicht nur die Lösung für uns als fünfköpfige Familie. Nein, es ist auch die Lösung für zwei weitere Familien, deren Kinder ich nun regelmäßig mitnehme, die allerdings (und das ist sehr wichtig, hier zu erwähnen) dafür sehr dankbar sind.
Wahrscheinlich waren sie vorher Außerirdische und sind zufällig in Lüneburg gelandet. Die Trainer sind es definitiv nicht, denn für sie existiert nur Fußball und auch nur in dieser einen besonderen Fusions-Kombination, die sie nun alle die ganze Zeit feiern. Außer ich. Denn wir wurden nie gefragt. Kein Elternabend, kein „was haltet ihr davon?“ oder ähnliches. Wann wird man als Elternteil überhaupt mal gefragt? Alle wissen es besser…natürlich! Das war schon in der Kita so, in der Schule und nun im Verein.
Aber ich will nicht meckern. Ich will bewusst machen, was achtsam sein bedeutet und wie wichtig es ist. Ich will dich wachrütteln, das Gute zu sehen, auch wenn das momentan extrem schwierig ist. Im Grunde geht es uns nämlich sehr gut und wir jammern auf sehr hohem Niveau. Wir sind verwöhnt und ich nehme mich da nicht aus. Aber wir dürfen doch nicht vergessen, dass unser Gegenüber auch nur ein Mensch mit Gefühlen ist und ein bisschen Liebe gebrauchen kann. Ja, nur ein bisschen, ein nettes Wort, ein „Hallo“ oder einfach nur ein Lächeln. So trägt jeder ein bisschen zu einer besseren Stimmung bei und das vor allem in der Weihnachtszeit. Wann, wenn nicht jetzt?
Lasst uns doch einmal innehalten und mit dem Meckern, Motzen und Kritisieren, von wem auch immer, aufhören. Es tut mir in der Seele weh, macht traurig und entmutigt. Wenn wir schon über andere lästern, dann vielleicht über Gutes, das sie getan haben. Vielleicht ist das neue Wort des Jahres nicht Selbstliebe, sondern „selbstlos“. Anderen helfen, die Hand ausstrecken und in der eigenen Familie einfach mal verständnisvoll sein. Einen Tag als Mama ohne Meckern. Das wäre doch mal was.
In diesem Sinne…eigentlich wollte ich ganz andere Artikel schreiben und dir Weihnachtsgeschenktipps geben. Aber viel wichtiger finde ich das Zwischenmenschliche. Das dürfen wir einfach nicht vergessen. Gerade jetzt, heute, morgen und übermorgen.
Ich geh jetzt eine Runde Gassi und hole dann die Jungs aus Artlenburg an der Elbe ab. Für meinen Sohn, einfach so, ohne Gegenleistung. Einfach so, weil ihm Fussball Spaß macht und die Kinder heutzutage schon genug Sorgen haben.
Schreib mir doch in die Kommentare da unten, wenn ich dich zum Nachdenken und Handeln bringen konnte. Wenn du meinen Artikel bis hierhier gelesen hast, konnte ich vielleicht mehr bewirken, als wenn du eine Weihnachtskugel über meinen Link kaufst…denn wirklich wichtig ist der ganze materielle Kram ja nicht.
Also fühl dich gedrückt, alles Liebe,
deine Ute







